Bürgerverein Waldstadt e.V.
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Waldstadt 2020 – Visionen, Ideen, Konzepte: eine Podiumsdiskussion

Anlässlich seines 50jährigen Bestehens hatte der Bürgerverein eingeladen zu einem hochrangig besetzten politischen „Kamingespräch“. Unter dem Titel  „Waldstadt 2020 – Visionen – Ideen – Konzepte“ diskutierten erste Bürgermeisterin Margret Mergen, Bürgermeister Michael Obert, der Geschäftsführer der Stadtwerke Dr. Karl Roth, der Geschäftsführer der Volkswohnung Reiner Kuklinski, Professor Markus Neppl vom Institut für Stadtquartiersplanung des KIT, sowie Pfarrer Dr. Uwe Hauser unter Leitung von Dr. Hubert Keller, dem Vorsitzenden des Bürgervereins Waldstadt.

Zu Beginn brachte die Gruppe Maximum Force mit ihrer unglaublich akrobatischen breakdance-Vorführung die Zuschauer in Schwung für eine lebhafte Diskussion.

Ein Impulsreferat von Professor Neppl bildete den Einstieg in das Thema „Zukunft der Waldstadt“. Anhand von Beispielen erläuterte Neppl, wie heute ein Wohngebiet geplant und gebaut wird. Der Hauptunterschied liegt in der Bürgerbeteiligung. Es wird nicht mehr am Reißbrett geplant, von einer großen Wohnungsbaugesellschaft gebaut und dann vermarktet, sondern schon im Vorfeld werden die Bürger und zukünftigen Bewohner in die Planung einbezogen und ihre Wohnwünsche berücksichtigt.  Die Waldstadt ist in Neppls Augen geradezu luxuriös mit Freiflächen gestaltet. Heute würde man wesentlich verdichteter bauen. Diese Flächen zwischen den Gebäuden werden aber nicht sinnvoll genützt. Denkbar wäre hier, Orte der Begegnung einzurichten, damit mit der Zeit eine stärkere Gemeinschaft und ein besseres „wir-Waldstädter-Gefühl“ entstehen.

In der anschließenden Diskussion wurden mehrere große Themenbereiche angesprochen: wie sieht die Energieversorgung der Zukunft aus; wie kann man die  Bausubstanz zeitgemäß umgestalten; wie kann man das Zusammengehörigkeitsgefühl der Waldstädter stärken; was kann man tun, dass die Waldstädter auch im Alter in ihrer gewohnten Umgebung leben können; wie können die alten Ladenzeilen belebt werden?

Das erste Thema war die Frage nach der Energieversorgung und energetischen Sanierung. Die Volkswohnung hat hier bereits 700 ihrer 1270 Wohnungen nach neuesten Standards umgebaut. Sowohl die Bürgermeister, als auch Karl Roth betonten die Umweltfreundlichkeit der Fernwärme. Ein Umrüsten auf Blockheizkraftwerke oder regenerative Energieformen  wurde vor allem für den Bereich der Waldlage abgelehnt, nur in der Feldlage könnte dies bei Einfamilienhäusern sinnvoll sein. An erster Stelle sollte aber auf jeden Fall die Wärmeisolierung der Gebäude stehen.

Bereits in seinem Referat hatte Prof. Neppl die Frage aufgeworfen, in wie weit die Bausubstanz noch zeitgemäß ist.  Die Wohnwünsche haben sich verändert. Die Anzahl der Quadratmeter Wohnfläche pro Person hat sich verdoppelt gegenüber den 50ger Jahren. Die Zwei- und Dreizimmerwohnungen der Waldlage sind für eine Familie mit mehreren Kindern zu klein. Seniorengerechtes, barrierefreies Wohnen ist in den Wohnblöcken der Waldstadt nicht möglich. Reiner Kuklinski von der Volkswohnung berichtete darauf von den praktischen Problemen beim Umbau der vorhandenen Wohnhäuser. Ein Einbau von Aufzügen innen im Haus ist nicht möglich, also müsste man die Lifts außen anbringen. Auch sind fast alle Wohngebäude so gebaut, dass das Erdgeschoss etwa 1,50m über Bodenniveau liegt. Ein barrierefreier Umbau und eine Neugestaltung der Wohnflächen wären hier so aufwändig, dass man das Haus gleich abreißen und neu bauen könnte. Dies rief den Protest von Baubürgermeister Michael Obert hervor, der meinte, die Waldstadt sein qualitativ zu hochstehend um Gebäude abzureißen. Kuklinski versprach aber, bei weiteren Sanierungen die Möglichkeit der Gestaltung von barrierefreien Seniorenwohngemeinschaften jeweils zu prüfen und wies auch auf die Einführung von Mieterbefragungen hin. Er verwies auch auf das neue Sozialmanagement, das die Volkswohnung schon in mehreren Stadtteilen eingeführt hat. Pfarrer Hauser stellte hier auch die Frage nach der öffentlichen Förderung solcher Projekte. Margret Mergen setzte aber mehr auf die Eigeninitiative der Senioren. Sie wies auf das Programm „Wohnpatenschaften“ hin, bei dem ein Student oder eine Studentin als Untermieter aufgenommen wird, die dann den Senioren behilflich sein können.

Ein weiterer Problempunkt in der Waldstadt sind die kleinen Ladenzeilen, die vielfach ums Überleben kämpfen. Pfarrer Hauser schlug die alternative Nutzung von Läden etwa durch Gruppen oder  integrative Projekte vor. Da die Ladenzeilen aber alle in Privatbesitz sind, ist hier die Frage, wer für solche Nutzungen die Miete zahlen könnte. Auch Prof. Neppl betonte, dass kleine Ladenzeilen nicht mehr zeitgemäß sind und diese Räume umgenutzt oder mehrfach genutzt werden sollten. Mergen verwies die Gruppenarbeit auf die vorhandenen kirchlichen und schulischen Räume und sah hier keine Fördermöglichkeit. Sie versprach aber, dass sich die städtische Wirtschaftsförderung mit den Ladenzeilen beschäftigen wird. Pfarrer Hauser wies auf den dauernden Wechsel in diesen Ladenzeilen hin und bezweifelte, dass „der Markt es schon richten wird“.

Die nach wie vor fehlende Identifikation der Bewohner mit der Waldstadt wird auch auf fehlende Kommunikationsmöglichkeiten zurück geführt. Hier wäre die Errichtung eines Bürgerzentrums mit Gruppenräumen und einem Cafe auf dem Gelände des ehemaligen Schülerhorts eine Möglichkeit der Abhilfe. Ein Bau mit Mitteln der Stadt ist nach Aussage von Mergen aber nicht möglich.

Prof. Neppl wies darauf hin, dass Fläche endlich ist und die Mobilitätskosten in Zukunft noch steigen werden, die Städte sollten deshalb sich nicht noch weiter in die Fläche ausdehnen und keine neuen Straßen mehr bauen. Darum dürfte man eine Nachverdichtung der Waldstadt auch nicht vollkommen ausschließen.

In seinem abschließenden Statement nannte Pfarrer Hauser die großen Qualitäten der Waldstadt: Ruhe und gute Luft und wünschte sich drei Dinge: bezahlbaren Wohnraum, die Integration von Migranten und mehr Licht und Luft in der Waldlage.

Der Vorstand des Bürgervereins sieht es als seine Aufgabe an über das Jetzt hinaus zu denken und die Gestaltung der Zukunft in Angriff zu nehmen. Er hat an diesem Abend viele Anregungen für seine Arbeit bekommen.

 

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